Über dieses Projekt

Das Projekt „Handlungsorientierte Interaktion mit der Maus: Ein internationales, webbasiertes Plattformprojekt zur Förderung der sprachlichen Kompetenzen von DaF-Lernenden“ (kurz: „Mausprojekt“) ist aus einem Unterrichtsprojekt für Deutschlernende hervorgegangen, das ursprünglich von Christian Horn und Monika Moravkova am Department of German Education an der Hankuk University of Foreign Studies in Seoul, Südkorea, umgesetzt wurde. 2019 wurde das Projekt zu einem sog. „Plattformprojekt“ weiterentwickelt und seitdem in verschiedenen Projektentwicklungs- und Internationalisierungsschritten darauf vorbereitet, an Hochschulen in aller Welt von den dortigen Dozierenden und Studierenden umgesetzt zu werden. Neben dem Einsatz als Unterrichtsprojekt dient das Gesamtprojekt auch weiteren Zielen, etwa der produktiven Vernetzung der mitwirkenden Hochschuldozierenden, der Entwicklung von innovativen Lehrmaterialien und Lehrkonzepten sowie der Forschung, vor allem in den Bereichen Deutsch als Fremdsprache, Didaktik, Linguistik, Spracherwerbsforschung und insbesondere auch zu Plattformprojekten.

Auf dieser Seite können Sie sich zu folgenden Aspekten des Projekts weiter informieren:

 

Grundlagen und aktuelles Projektkonzept

Plattformprojekte umfassen strukturell zwei Ebenen: Die erste Ebene umfasst die sogenannten „integrierten Unterrichtsprojekte“. Diese bilden den didaktischen Kern des gesamten Unterfangens. Im Mausprojekt etwa wird den mitwirkenden Dozierenden ein vollständig einsatzbereites Unterrichtsprojektkonzept mit allen dazugehörigen Materialien zur Verfügung gestellt. Im Rahmen dieses Unterrichtsprojekts schreiben die Studierenden Beiträge zu verschiedenen Anlässen (etwa Alltagssituationen, Familientreffen, aber sie entwickeln auch komplexe Geschichten) und kommentieren die Beiträge anderer. Die Lehrenden setzen das Unterrichtsprojekt eigenständig mit ihren jeweiligen Kursen um, wobei die Lernenden kurs-, semester- und länderübergreifend mit anderen Lernenden auf Deutsch über die Projektplattform interagieren. Über diese Plattform steht ihnen ein Raum für quasi-authentische Gesprächssituationen zur Verfügung, zu denen die Projektprodukte der Lernenden erste Kommunikationsanlässe bieten.

Diese erste Ebene von Plattformprojekten wird ergänzt durch eine zweite, auf der die Gesamtkonzeption, das zentrale Projektmanagement sowie die technische Implementierung erfolgen. Die auf dieser Ebene angesiedelte Instanz kümmert sich um die Gesamtsteuerung, die konzeptionelle Weiterentwicklung, die Umsetzung der geplanten Entwicklungsschritte, die Durchführung und Überwachung erforderlicher technischer Planungs- und Programmierarbeiten, die Organisation interner Informations- und Austauschveranstaltungen, die Einrichtung und Koordination von Arbeitsgruppen, die Gespräche mit externen Partnern, die Drittmittelakquise, Werbung und weitere Aufgaben, die für das Gesamtprojekt anfallen.

Erst die Kombination aus den genannten beiden Ebenen ermöglicht ein internationales, nachhaltiges, strukturell und personell komplexes Projekt. Für diese Konstruktion wurde in Horn (2019, 2021) der Begriff „Plattformprojekt“ eingeführt und ein entsprechendes Konzept entwickelt.

 

Didaktische Ziele des Projekts

Das Mausprojekt dient im Wesentlichen drei Zielen:

Erstens sollen die beteiligten Lernenden ihre Schreibkompetenzen auf Deutsch weiterentwickeln. Dazu verfassen sie einerseits Texte zu ihrer gemeinsamen Zeit mit der Maus und reichen diese bei ihrer Lehrkraft zum Feedback ein. Nach der Überarbeitung laden die Studierenden ihre Texte, angereichert um Bilder, Videos oder Audiofiles, auf der Projekt­web­seite hoch. Andererseits tauschen sich die Lernenden untereinander über die Kommentarfunktion auf Deutsch aus und schreiben dabei spontane und persönliche Eindrücke, die unkorrigiert auf der Webseite eingestellt werden. Das Feedback besteht in diesem Fall einzig in den Rückmeldungen der anderen Studierenden.

Das zweite Ziel besteht in einer Erhöhung der Motivation der Studierenden zum Deutschlernen. Dies soll vor allem durch das Erleben eines praktischen Nutzens ihrer Deutschkenntnisse erfolgen. Die Annahme ist, dass dies zu positiven Selbstwirksamkeitserfahrungen führt, die wiederum die Motivation zur Ausweitung der Kenntnisse und Kompetenzen erhöht.

Das dritte Ziel besteht darin, über die entstehenden zwischen­mensch­lichen Kontakte auch einen Beitrag zur Völkerverständigung zu leisten. Durch die Einblicke in die Lebenswelten von jungen Menschen in anderen Ländern unter Verwendung von Deutsch als Lingua Franca erhoffen wir uns eine Annäherung auf zwischenmenschlicher Ebene, die Verstehensprozesse in Gang setzt und gegebenenfalls existierende Vorurteile abzubauen hilft.

Die Maus spielt bei allen Zielen eine entscheidende Rolle, denn sie tritt als neugieriger, stets wohlwollender Sympathieträger und Repräsentant Deutschlands in allen Beiträgen der Studierenden in Erscheinung und verbindet sie als Symbol für Weltoffenheit und Freundlichkeit.

 

Ablauf des klassischen Unterrichtsprojekts

Im Rahmen des Gesamtprojekts stehen den Lehrenden Didaktisierungen unterschiedlicher integrierter Unterrichtsprojekte für den Einsatz zur Verfügung. Eines davon ist das Unterrichtsprojekt, das zu Beginn des Mausprojekts entwickelt wurde und seitdem von nahezu allen Mitwirkenden wenigstens einmal umgesetzt wurde. Wir bezeichnen es daher als das “klassische Unterrichtsprojekt” im Mausprojekt. Es ist folgendermaßen gestaltet: Nach dem Kennenlernen der Maus und einer Einführung in das Projekt, nehmen die Studierenden eine Plüschversion der Maus aus der Sendung mit der Maus mit nach Hause und integrieren Sie für einige Tage in ihren Alltag. Zur Weiterentwicklung ihrer sprachlichen Fertigkeiten verfassen sie Texte für die Projektwebseite, erzählen kleine Geschichten und verbinden so die „deutsche“ Maus mit ihrer Kultur, ganz aus ihrem persönlichen Blick. Die Maus darf dabei mit in die Familien der Studierenden, lernt die Eltern und Großeltern kennen, hilft in der Küche beim Zubereiten von landesspezifischen Spezialitäten, erkundet mit der U-Bahn die Unterwelt ihrer Städte, genießt entspannte Stunden mit den Studierenden im Café und erlebt stürmische Zeiten bei Studentenpartys. Ihre Erlebnisse mit der Maus schreiben die Studierenden in Blogartikeln auf und ergänzen sie mit Fotos und/oder Videos. Andere Studierende (aus demselben Kurs oder auch aus anderen Ländern) kommentieren im Anschluss die Artikel, schreiben, wie sie die Erlebnisse finden, erzählen eigene Geschichten, vergleichen die Berichte mit eigenen Erfahrungen, stellen kulturelle Vergleiche an usw. Auf diese Weise werden die Mausgeschichten zu Kommunikationsanlässen, die kurs-, länder- und kulturübergreifenden Austausch auf Deutsch ermöglichen und Deutschlernende miteinander vernetzen. Die Projektarbeit der Studierenden findet dabei vor allem außerhalb des eigentlichen Unterrichts statt, sodass sich das Unterrichtsprojekt nach der Einführung (selbst bei relativ strikter Progression bzw. starker Lehrbuchorientierung) leicht in den Kursverlauf einbinden lässt. 

Die auf der Webseite zur Verfügung gestellten Didaktisierungen von bereits erprobten integrierten Unterrichtsprojekten sind so gestaltet, dass sie einfach von Lehrenden in ihrem Unterricht umgesetzt werden können. Neben diesem Angebot sind alle mitwirkenden Dozierenden auch dazu eingeladen, eigene Vorschläge für Unterrichtsprojekte innerhalb des thematischen Projektrahmens auszuprobieren und umzusetzen.

 

Die Projektwebseite

Die Projektwebseite ist der zentrale Ort, über den die mitwirkenden Lehrenden und Lernenden interagieren und an dem alle erforderlichen Materialien für den Einsatz im Unterricht bereitstehen. Lehrende finden hier verschiedene Didaktisierungen für Unterrichtsprojekte mit der Maus, verwalten ihre Studierenden, vernetzen sich mit anderen mitwirkenden Dozierenden, können Materialien herunterladen und eigene einstellen. Lernende wählen ihren jeweiligen Kurs, erstellen ein Profil, laden ihre Texte mit den jeweiligen Medien hoch und schreiben ihre Kommentare zu den Einträgen anderer Studierender.

Die Webseite ist so niedrigschwellig gestaltet, dass sie ohne Schwierigkeiten von Lehrenden und Studierenden genutzt werden kann. Darüber hinaus beantwortet eine ausführliche FAQ-Seite alle Fragen, die im Zusammenhang mit der Benutzung der Seite auftreten. Sollten doch Probleme auftreten, bieten die Projektverantwortlichen und das ganze Team schnelle Hilfe.

 

Forschung und Entwicklung im Projekt

Das Projekt ist nicht auf den Einsatz klassischen Unterrichtsprojekts im Unterricht beschränkt. Es bietet zahlreiche Ansatzpunkte für weitere Aktivitäten, etwa zur Entwicklung von innovativen Lehrmaterialien oder zur Erprobung von neuen Lehrkonzepten, die dann auch von anderen Dozierenden getestet und eingesetzt werden können. Dazu gehören zum Beispiel Formen des kollaborativen Lernens oder länderübergreifende interkulturelle Projekte. Darüber hinaus ist das Projekt aufgrund seiner internationalen Zusammensetzung der Lernenden ein idealer Ort zur Durchführung von Forschung in den Bereichen Deutsch als Fremdsprache, Didaktik, Linguistik und Spracherwerbsforschung. Als Instanz der relativ neuen Kategorie „Plattformprojekt“ bietet es sich darüber hinaus zur weiteren Entwicklung und Erforschung dieses Projektkonzepts an.

 

Umgang im Projekt

Als internationales Plattformprojekt mit einer Vielzahl an Mitwirkenden aus verschiedenen Ländern und Kulturen, ist es uns sehr wichtig, dass der Umgang miteinander von gegenseitigem Respekt, Rücksicht auf die jeweiligen Persönlichkeiten und Arbeitsbedingungen sowie von Kommunikation auf Augenhöhe geprägt ist. Wir begreifen uns als eine Community von Gleichgesinnten und Engagierten, die alle mit ihren jeweiligen persönlichen und fachlichen Hintergründen und Erfahrungen ihre ganz eigene Expertise in das Projekt einbringen. Unser Ziel ist es, diesen Facettenreichtum zur bestmöglichen Entwicklung unseres Projekts zu nutzen. Dabei kommunizieren wir projektbezogene Inhalte transparent, teilen entwickelte fachliche Inhalte großzügig mit anderen, achten aber auch darauf, dass dabei die Rechte an den Ideen jeweils bei denjenigen bleiben, die sie eingebracht haben.

Alle Kolleginnen und Kollegen, die sich in diesem Ansatz wiederfinden, laden wir herzlich zur Mitwirkung in unserem Team ein.

 

Die Maus schaut in den Himmel, wo ein Flugzeug fliegt.