Multikulturalität, müssen wir die hinnehmen?

 

Maus: Hallo Paulus, es freut mich sehr, dich kennen zu lernen!

Paulus: Hallo! Ich freue mich auch! Ich heiße Sang Jun Kim und komme aus Busan in Südkorea. Kim ist mein Familienname. jetzt wohne ich in Seoul. Ich studiere Germanistikan der Hankuk Universität für Fremdsprachen. Meine Nebenfächer sind Politikwissenschaft und Diplomatie. Und nun bin ich im Abschlussjahr. Bald werde ich meinen Abschluss machen! Und mein Taufname ist Paulus. Ich gehöre als ganz normaler Laie zur katholischen Kirche.

 

 

Maus: Aha. Also stehst du auch auf abendländischer Tradition, oder?

Paulus: Ja, das kann ich nicht negieren. Aber ich gehöre auch (oder stärker) zu zu meinem Land. Meine Nationalität, kann ich nicht leicht abwerfen.

Maus: Wow, so ein Patriot. Aber Nationalismus scheint mir ein bisschen alt und gefährlich. Unter Nationalismus kann ich mir nur Trump, le Pen und AfD vorstellen.

Paulus: Haha, ja, das denke ich auch. Diese Personen stelle ich mir auch vor. Und kannst du dich bitte auch selbst vorstellen?

Maus: Ah, ja. Selbstverständlich bin ich die Maus. Ich habe nicht studiert. Aber ich habe gerade eine Ausbildung gemacht. Und jetzt bin ich ein Typograph, der bei Suhrkamp arbeitet.

Paulus: Suhrkamp? Sehr toll! Du musst sehr stolz auf deinen Beruf und deine Firma sein!

Maus: Ähm… halbrichtig. Mein Beruf, ja. Aber mein Firma, nein.

Paulus: Warum? In allen deutschsprachigen Staaten ist das einer der größeren Verlage und sehr berühmt!

Maus: „Das Leben ist, im Detail betrachtet, eine Tragödie, aber eine Komödie in der Gesamtperspektive.“ Ein Leben in einer Firma ist auch so.

Paulus: Ach… Schade…

Maus: Und, naja wechseln wir dann unser Thema bitte. Woran hast du Interesse?

Paulus: Ähm… Ich kann nicht einfach dieses oder jenes sagen, aber natürlich ist Politik mein Interesse. Besonders konservative Gedanken, die von der „konservativen Revolution“ in Deutschland beginnen und bis zu „neo-conservative“ in USA führen. Für die die Namen Nietzsche, Heidegger, Schmitt, Mohler, Strauß, usw. stehen. Und ich interessiere mich auch für Gesellschaftstheorien, zum Beispiel die von Luhmann und ja auch für Habermas.

Maus: Aha. Und du hast gesagt, dass du ein Nationalist bist und großes Interesse an konservativen politischen Gedanken hast. Dann bin ich neugierig, wie du über die Multikulturalität denkst.

Paulus: Gute Frage, und erhebliche Plage. Wie Isolde Charim, eine Philosophin aus Österreich in ihrem Buch schon gesagt hat, haben europäische Kulturen in vielen europäischen Ländern ihren Vorrang verloren. Anders gesagt, europäische Kulturen sind keine „Leitkulturen“ in den abendländischen Staaten mehr.

Maus: „Ich und die Anderen“? Das Buch habe ich auch gelesen. Aber Sie hat auch gesagt, dass Integrieren-Politik dieser Lander gescheitert ist und der neue Pluralismus schon angekommen ist. Es ist sinnlos, einem solchen Fluss zu opponieren.

Paulus: Aber im Buch Luhmanns steht, dass sogar das Wort „sinnlos“ seinen eigenen Sinn hat! Haha, nur zum Spaß. Und, ja, das stimmt. Aber „Sein“ und „Sollen“ stehen auf anderen Horizonten. Flussaufwärts nicht schwimmen zu können bedeutet nicht, dass man nicht flussaufwärts schwimmen sollte. Und wie ich schon erwähnt habe, bin ich ja ein Südkoreaner und ein Nationalist. Also kann ich freilich sagen, dass es diese Situation in Südkorea nicht gibt. Wir haben ja einige Probleme mit Multikulturalität, die von den Immigranten und den Flüchtlingen verursacht wird. Aber unsere Probleme sind noch nicht so seriös wie die Probleme in Europa.

Maus: Du hast schon einen Unterschied zwischen „Sein“ und „Sollen“ gemacht. Aber bei diesem Thema, denke ich, konvergieren diese beiden Begriffe. Der mltikulturelle Fluss dieses Zeitalters ist klar und deutlich feststellbar und auch richtig. Und dein Land ist jetzt auch ein fortgeschrittenes Land. Das muss seine Pflichte tragen. Und du musst dir merken, dass es da das „Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge“ gibt. Dein Land ist kein Kind mehr.

Paulus: Ja. Darüber müssen wir auch deliberieren. Aber …

Maus: (lachend) Was du meinst, habe ich verstanden. Aber ist das nicht zu lateinisch oder österreichisch „deliberieren“ zu benutzen? Haha!!!

Paulus: (lachend) Ach, ja. Das kann ich nicht verneinen!  allzu arrogant-wissenschaftlerisch!

Maus: (auflachend) Also surkampisch?

Paulus: Keine Ahnung. Da gibt es einen Haufen Bücher in dem Verlag, die von Adorno geschrieben wurden. Aber wir können dort auch Bücher von Luhmann finden! Ich glaube, dass du dabei viele Doktoren gefunden hättest, die sehr, sehr AUFGEKLÄRT und viel zu viel GEBILDET und SERIÖS sind.

Maus: Offen gesagt, zu viele! Diese HOCHMÜTIGEN Kerle hasse ich.

Paulus: Also hasst du deine Firma!

Maus: Ganz sicher, Ja!

Paulus: Das Wort „deliberieren“ (?)  will ich korrigieren. „Nachdenken“ oder „überlegen“ sind bessere Alternativen.

Maus: Ja, viel bessere!

Paulus: Haha, kommen wir zu unserem Thema zurück! Du sprachst vom „Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge“!

Maus: Ja!

Paulus: Und, ja, unser Land ist jetzt sicherlich, wenn auch knapp, ein fortgeschrittener Staat. Aber ich möchte von der Verantwortungslosigkeit der abendländischen Länder sprechen. Denn ich denke, darin die Ursache der Flüchtlingsprobleme liegen. Und, ja, wie du weißt, ist Südkorea ein vorwärtsgeschrittenes Land, aber keine große Macht in den internationalen Beziehungen. Und viele Flüchtlinge werden von Kriegen oder Bürgerkriegen erzeugt. Diese Kriege oder Bürgerkriege werden von Staaten, die Hegemonie haben, oder von nationalen Problemen verursacht. Also frage ich dich: Hat unser Land Pflichten dabei?

Maus: Du hast recht. Aber dein Paradigma hat etwas außer Acht gelassen. Die humanitäre Sicht fehlt in deiner Perspektive.

Paulus: Das ist eine liberalistische Denkweise. Dieser Denkweg gilt auch in dem Theoriefeld internationaler Beziehungen. Davor steht Kant als der Vorläufer. Aber, wie gesagt, ich bin ein Anhänger des Nationalismus. Wir stehen auf ganz anderen Traditionen. Dazwischen kann es keine Kompromisse geben.

Maus: Ähm … Ja … Das ist schade …

Paulus: Und ich möchte dich auch auf andere Probleme aufmerksam machen. Es gibt vier Typen von Politiker in unserem Land. Und drei Typen unter denen sind für Multikulturalität. Der erste Typ und der zweite Typ sind die extreme und mittlere Linke, die im humanitären Idealismus versinkt. Der dritter Typ ist die mittlere Rechte, die für ihre eigenen Gewinne billigere Arbeitskräfte, die aus dem Ausland kommen, ausbeuten möchten. Sowieso entscheiden diese Menschen die kulturelles oder ökonomisches Kapital besitzen, über die Probleme der Multikulturalität, Immigration und Flüchtlinge. Denn nach ihrer Meinung würde die Entscheidung sehr offensichtlich sein: dafür. Dann kommen diese Leute in unser Land herein. Und worin würden sie wohnen? In den Wohngebieten der Armut! Und was würden sie arbeiten? In den Arbeitsplätzen der Armut! Die Mittelschicht und die Oberschicht treffen die Entscheidung. alle kulturellen Konflikte erleidet die arme Leute, alle Beunruhigungen in einem Arbeitsmarkt erleiden die Armen. Sie entscheiden, und wir leiden, das ist ja wirkliche Umstände. Das ist natürlich ein Problem der Schicht. Angenommen, dass du bist zur unteren Schicht gehörst, kannst du dann diese Ausländer akzeptieren?

Maus: Warum bist du so feindlich zu anderen Kulturen?

Paulus: Uhm, statt einer direkten Antwort möchte ich eine Passage zitieren. Hast du „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq gelesen? Mark Lilla hat darüber eine Rezension in seinem Buch „The Shipwrecked Mind“ geschrieben.

„the wives pass through all these stages as they age, but never have to worry about being abandoned. They are always surrounded by their children, who have lots of siblings and feel loved by their parents, who never divorce.”

Es ist eine Darstellung der islamischen Kultur. Innerhalb einer festen Verbindung durch die Ehe wird eine Frau beschützt. Und innerhalb eines beschützten Raums gebärt sie Kinder. Innerhalb einer Gesellschaft, die wieder und wieder von Kindern und anderen Frauen gebildet wird und durch Blut verwandt ist, zwischen Generationen, die dies vor ihren Augen fortsetzen, sie löst alltägliche und intime Probleme. Wie schön diese Lebensordnung ist! Und wie lebendig diese „Unterwerfung“ von Menschen ist! Ich war fast fasziniert.

Maus: Haha … Angenommen, dass du nicht fremdfeindlich bist, scheinst du nach deinen Anführungen aber wie ein extremer Rechter, ein Rechteradikaler.

Paulus: Diese Aussage kann ich auch nicht bestreiten. Aber denkst du nicht, dass diese Situation ein wenig ironisch ist? Du bist dafür, Flüchtlinge aufzunhemen, und für Multikulturalität. Aber unter den Flüchtlingen gibt es viele Anhänger des Islamismus, die haben super-konservative Ansichten über die Frauen.

Maus: Ähm … Aber man kann sich auch viele harmonisierte Modelle, viele Möglichkeiten zwischen den Kulturen vorstellen. Aber warum bist du so negativ?

Paulus: Ich denke, dass es ein „Kampf der Kulturen“ werden könnte. Für Menschen ist das Überleben nicht selbstverständlich. Wegen seiner Instinktarmut entwickelt der Mensch seine eigenen Institutionen, die „zeitlich, sachlich und sozial generalisierte Verhaltenserwartungen“ sind. Und jede Kultur hat ihre eigenen Institutionen. Und wenn viele Kulturen sich begegnen, dann kollidieren viele Verhaltenserwartungen miteinander. Ein Zusammenstoß der Verhaltenserwartungen ist ein anderer Name für Erwartungsenttäuschung oder Anomalität.

Maus: Aber alle deine Behauptungen basieren auf Hypothesen und abstrakten Theorien.

Paulus: Alle Behauptungen haben ihre eigenen Hypothesen, die man nicht überprüfen kann. Und wir können nur durch abstrakte Theorien bis zu großen Realitäten der ganzen Gesellschaft kommen. Und nach Umfragen ist die Mehrheit unsere Völker gegen Multikulturalität.

 

… vierzig Minuten später …

 

Paulus: Also ich bin ein Nationalist und du bist ein Liberalist.

Maus: So eine anstrengende Debatte! Aber können wir keine Zwischenlösung finden?

Paulus: Wir könnten praktische Maßnahmen finden. Ich will einige Prinzipien aufzählen. Erstens haben abendländische Länder mehre Pflichten. Zweitens kann also Südkorea seine Aufnahme der Immigranten und Flüchtlinge minimieren, und die Völkergemeinschaft muss uns, Südkorea, nicht zu viel zumuten. Drittens soll die Leitkultur Südkoreas nicht einfach und grundlos verändert werden. Viertens soll in Prinzip unsere Immigrations- und Flüchtlingspolitik keine reine Multikulturalität beabsichtigen, sondern eine Integrationspolitik sein. Fünftens sollen die Ober- und Mittelschicht Südkoreas allen Schaden in dem Land mit der Unterschicht mittragen, wenn wir Immigranten akzeptieren oder Flüchtlinge aufnehmen.

Maus: Sehr konservativ, aber … ja nicht schlimms. Aber jetzt habe ich Hunger! Hast du Interesse an türkischem Essen?

Paulus: Ach, na ja, selbstverständlich!

Maus: Ein traditioneller Kopf auf einem exotischen Bauch!

Paulus: Auch ein esoterischer Kopf auf einem exoterischen Bauch? Haha

Maus: Quatsch! Für meinen Hunger trägst du die Verantwortung!

Paulus: Na ja, gehen wir los!

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Kategorien: 2019

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ZI LIN
18. Dezember 2019 15:58

Hallo Paulus!Ich bin Lin .Mir fallt auf,dass du dich wirklich für Literatur oder Philosophie interessierst,nachdem ich deinen Beitrag gelesen habe.Ich habe dieses Zitat gesehen.„Das Leben ist, im Detail betrachtet, eine Tragödie, aber eine Komödie in der Gesamtperspektive.“
Wie verstehst du unter das?

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